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Östrogene

Risiken durch Pille ] Wechseljahrespille ] [ Östrogene ] Hormonersatz-Ther.? ] Therapiebilanz ]

 

Diese Seite steht seit dem 23.04.2002 zur Verfügung

Östrogene schützen nicht

(mehr) vor Herzinfakt !

Ein bisheriges Plus der Wechseljahreshormone gilt nicht mehr

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„Herzschutz durch Östrogene: Der Mythos bröckelt – Die kardioprotektive Wirkung der Hormonsubstitution ist unter Experten strittig“, so lautete am 16. November 2001 ein Artikel von Ralf Schlenger in der „Ärztlichen Praxis“. Hormonsubstitution schütze Frauen vor Herzinfarkten. Nicht zuletzt mit diesem Argument, so der Artikel von Schlenger, versuchten viele Fach- und Hausärzte, Menopause-Patientinnen das Schlucken von Hormonen schmackhaft zu machen. Diesen Standpunkt hätten aktuelle Daten aus den USA bereits im Frühjahr 2001 ins Wanken gebracht. Die American Heart Association (AHA) erklärte im Juli 2001 die Hormonersatz-Therapie (HRT = Hormonal Replacement Therapy) als ungeeignet zur Vorbeugung gegen kardiovaskuläre Erkrankungen. Schlenger ist der Auffassung, dass sich im Fahrwasser der Amerikaner auch hier zu Lande die Wende in der Herz- und Hormon-Diskussion vollziehe. Aber sichere Daten gäbe es erst in 5 Jahren.

Im Artikel werden verschiedene Standpunkte dargestellt. Die „Fachleute“ seien sich wirklich einig nur bei der Indikation: „Klimakterium-assoziierte Beschwerden“. Damit sind in erster Linie Hitzewallungen und Schweißausbrüche gemeint, aber auch depressive Verstimmungen und vaginale Trockenheit. Längerfristige Hormongabe würde die Brustkrebs-Warner auf den Plan rufen. Die sogenannte „Deutsche Menopause Gesellschaft“ (DMG) sehe unterm Strich den therapeutischen Nutzen deutlich überwiegen.

Der Einsatz der Wechseljahreshormone zum vermeintlichen Herz- und Gefäßschutz geht auf die Ergebnisse tierexperimenteller Untersuchungen zurück. Östrogene erweitern Blutgefäße, senken den Blutdruck und verbessern das Lipidprofil (Cholesterin, Triglyceride). Laut Schlenger fehlen bis heute Ergebnisse prospektiver, kontrollierter Interventionsstudien. Solche Daten würden in fünf Jahren von der Women´s Health Initiative erwartet, einer auf zehn Jahre angelegten Studie mit 27.000 amerikanischen Frauen. Im Frühjahr 2001 seien Zwischenergebnisse veröffentlicht worden: „Nach den ersten drei Jahren hatten Frauen unter HRT geringfügig, aber signifikant mehr Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen erlitten als Frauen in der Plazebogruppe.“

Jetzt seien auch die „Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie“ und auch der „Berufsverband der Frauenärzte e.V.“ in ihren Stellungnahmen dem amerikanischen Vorstoß weitgehend gefolgt: Sie raten heute von der HRT als Vorbeugung gegen Herz-/Kreislauf-Erkrankungen ab, insbesondere bei Frauen mit bekannter kardiovaskulärer Vorerkrankung. 

Es mag zwar sein, dass sich „hier zu Lande die Wende in der Herz- und Hormon-Diskussion vollzieht“, aber jetzt, im Frühjahr 2002, ein Dreivierteljahr nach der Entscheidung der „American Heart Association“ hinken niedergelassene deutsche Gynäkologen neuesten Erkenntnissen immer noch hinterher. Wenn Patientinnen wissen wollen, ob die eine oder andere Beschwerde von den Wechseljahreshormonen kommen könne und sich daraus ein Informationsgespräch entwickelt, dann erfahre ich regelmäßig: „Mein Gynäkologe hat gesagt, wenn ich die Hormone nehme, dann kriege ich keinen Herzinfarkt“. Auch so können Ärzte nach „bestem Wissen und Gewissen“ beratend tätig sein!  

Und dass sich eine Wende in der Einstellung zur Sexualhormonapplikation als Therapie generell vollziehen würde, das wäre zu schön, um wahr zu sein. Noch folgen ganze Heere von gutgläubigen Frauen den hormonellen Heilsversprechungen der Gynäkologen. Sie gehen dabei große Risiken ein, z.B. Anstieg des Brustkrebsrisikos um ca. 30 % bei zehnjähriger Einnahmezeit (Siehe die „Greiser-Studie: Weibliche Hormone – Ein Leben lang – Mehr Schaden als Nutzen?“ erhältlich beim „Wissenschaftlichen Institut der AOK“ in 53177 Bonn, Kortrijker Straße 1).  

Zahlreiche andere Nebenwirkungen von Wechseljahreshormonen, die ich bei Hunderten von Frauen allein in meiner Praxis beobachtet habe, könnten hier aufgezählt werden.

Zwar ist der vormals behauptete „herzschützende“ Effekt der Östrogene jetzt widerlegt, aber die Gynäkologen werden nicht müde, den Frauen die Sexualhormone mit anderen angeblichen Vorzügen schmackhaft zu machen. Fast die Hälfte der Benutzerinnen von Wechseljahreshormonen setzt diese nach meiner Einschätzung nach einer gewissen Zeit wegen Unverträglichkeit und insbesondere wegen eines Gefühls von Fremdbestimmtsein wieder ab. Die versprochene Wirkung gegen die Wechseljahresbeschwerden war in diesen Fällen anscheinend nicht ausreichend überzeugend. 

Wenn wir die Problematik der Wechseljahresbeschwerden und hormoneller oder alternativer Therapiekonzepte differenziert und umfassend betrachten wollen, dann müssen auch die Ursachen dieser Beschwerden analysiert werden. 

Wechseljahresbeschwerden waren ja noch nie so verbreitet wie heute. Wenn man 70- bis 90jährige Frauen fragt, wie sie denn durch „den Wechsel“ gekommen seien, dann war dies meistens „problemlos“ und ohne Hitze und Schweißausbrüche. Diese Frauen haben drei oder mehr Kinder auf die Welt gebracht und nie die Antibabypille verwendet. Die Vorgeschichten von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden zeigen, dass die Beschwerden oft umso heftiger sind, je mehr in der Vergangenheit am Hormonsystem dieser Frauen herum manipuliert wurde, bzw. je mehr die natürliche Fruchtbarkeit unterdrückt wurde, sei es durch Pille, Spirale, Sterilisation oder Abtreibung. Die Methoden der Gynäkologen sind somit oft ursächlich an der Vorgeschichte der Beschwerden beteiligt. Es müsste eigentlich jedem Arzt ins Auge fallen, dass z.B. Frauen nach Sterilisation in der Regel fünf bis acht Jahre früher in die Wechseljahre kommen. Sie sind nach der Sterilisation im Organgebiet des kleinen Beckens blockiert; dadurch hört die auf die Fruchtbarkeit bezogene Funktion der Eierstöcke früher auf, so sieht es die ganzheitliche Naturheilkunde. Zuerst hat die Medizin solchen Frauen die die Fruchtbarkeit amputierende Sterilisation angetan, dann bietet sie sich mit nebenwirkungsträchtigen Therapieangeboten an. 

Die jahrelange Einnahme von Hormonpräparaten zur Verhütung führt über verschiedene Mechanismen zu Gefäßschäden und kann Bluthochdruck zur Folge haben, und nun sollten es die Hormonpräparate für die Wechseljahre sein, die den Herzinfarkt verhindern, so hatten es die Gynäkologen den Frauen jahrelang vermittelt.  

Die gesundheitsbewusste Frau sollte aber auch den anderen angepriesenen, angeblichen, Vorzügen kritisch gegenüberstehen. „Schutz vor Osteoporose“ würden die Hormone bieten. Zum einen weiß man heute, dass der angebliche Osteoporoseschutz nur dann dauerhaft sein wird, wenn die Hormone auf Dauer eingenommen werden. Dies lässt sich aber für die Mehrheit der Hormonanwenderinnen überhaupt nicht realisieren. Die Hälfte der Frauen, die mit der Wechseljahreshormoneinnahme beginnen, setzten diese nach kurzer Zeit sowieso wieder ab. Dabei kann es dann sogar zu einer überschießenden Reaktion kommen, also verstärkter Abbau von Knochensubstanz. Zum anderen wäre es vernünftiger, spätestens beim Übergang in die Wechseljahre (gilt aber auch für Männer beim Älterwerden) gewisse liebgewordene Lebensgenüsse zu reduzieren. Ich denke hier an Alkohol, Koffein und Nikotin. Alle diese drei „Alltags-Genuss-Gifte“ nagen an der Knochensubstanz, entkalken die Knochen in osteoporotischer Weise, führen zur Höhenminderung von Bandscheiben und Wirbelkörpern, so dass die Alterskyphose der Wirbelsäule gefördert wird. Fehlende Aktivität und sitzende Lebensweise, möglicherweise noch mit mehreren Stunden Fernsehen pro Tag sind Gift für die Knochen. Wichtig für die bewusste Frau in den Wechseljahren ist es also, selbst aktiv zu werden durch Gymnastik, Spaziergänge, Walken, Joggen, Schwimmen usw. Wenn die Frau dann noch eine die Genussmittel reduzierende Ernährungsweise für sich entdeckt, dann hat sie schon viel Gutes für sich und ihren Knochenbau getan. 

Die Hitzewallungen und Schweißausbrüche sollten schon deswegen nicht mit Hormonen unterdrückt werden, weil sie „einen Sinn“ haben – so sieht es die traditionelle Naturheilkunde. Warum soll denn die wechseljahresbedingte Hormonumstellung die einzige Ursache für diese unangenehmen Begleiterscheinungen sein? Möglicherweise ist sie gar nicht die eigentliche Ursache und bei dem „Erfolg“ der Hormonbehandlung dieser Beschwerden handelt es sich lediglich um Unterdrückung eines Symptoms, welches eine ganz andere Ursache hat. Durch die Unterdrückung kommt es zur „Vikariation“, zur Stellvertreterkrankheit, d.h. in einem ganz anderen Bereich des Körpers tritt eine ganz andere Krankheit auf. Es treten häufig Rheumatismen, Hautausschläge und depressive Episoden auf.

Die Ursachen der Hitze und der Schweiße liegen aus traditionell medizinischer Sicht in der Tatsache des „nicht mehr Blutens“. Die nicht mehr menstruierende Frau hat ihre Fähigkeit, über die Menstruationsblutung zu entgiften, verloren. Die retinierten Stoffwechselgifte müssen nun über die Schweißdrüsen entgiftet werden, die verstärkte Schweißbildung – so unangenehm sie ist – hat somit ihren Sinn. Die Naturheilkunde schlägt als Behandlung regelmäßige Aderlässe, blutige Schröpfkopfbehandlungen oder Blutegelbehandlungen vor. Fernerhin als „hormonartige“ Medikamente ein Cimicifuga-Präparat oder ein Präparat aus türkischem Rhabarber. 

Es wäre noch ein leidiges Thema zu nennen, dass viele Frauen in den Wechseljahren durch die Hormonumstellung belastet. Durch das Nachlassen der östrogenen Aktivität der Eierstöcke ist die Scheide bei vielen Frauen trocken, so dass Geschlechtsverkehr nicht möglich oder zumindest unangenehm ist. Dies würde durch die Einnahme von Wechseljahresöstrogenen tatsächlich gebessert. Dennoch sollte die Frau wegen der zahlreichen Nebenwirkungen der Wechseljahreshormone auf diese Möglichkeit verzichten. In jeder Apotheke kann man eine spezielle Salbe kaufen, die die Scheide schlüpfriger macht und somit den Verkehr auch in und nach den Wechseljahren noch ermöglicht. Ein mögliches Präparat ist das KY Femilind von der Firma Johnson & Johnson. Die weiche Calendula-Salbe z.B. von der Firma Weleda wird ebenso gut helfen.  

Die gesundheits- und selbstbewusste Frau sollte sich nicht mehr von den Hormonanbietern verunsichern lassen. Wenn eine Frau der Hormonapplikation gegenüber kritisch eingestellt ist, dann wird sie auch Alternativen finden.

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Stand: 14. Dezember 2012
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