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Abtreibung

 

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Patientenbiographien

Abtreibung und ihre Folgen 

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Die Veröffentlichung des nachfolgenden Aufsatzes erfolgt auf Wunsch der Autorin.

Sie will mit diesem Aufsatz, den sie 1-2 Jahre nach ihrer Abtreibung im Deutschunterricht geschrieben hatte,

junge Frauen vor der verhängnisvollen Entscheidung für eine Abtreibung warnen.

Im Anschluss eine Anmerkung der Redaktion Medizinkritik.

Eine schicksalhafte Entscheidung

Ich erinnere mich noch genau an die Tage, an denen mir alles so trostlos vorkam, an denen mir alles so trostlos erschien, an denen ich verzweifelt nach einem Sinn in meinem Leben suchte. Ich wollte geliebt werden, wünschte mir Geborgenheit und Wärme. Da lernte ich Werner kennen. Er war nicht das, was ich mir unter einem Traumjungen vorstellte, und auch von einer Beziehung hätte ich mir etwas anderes erwünscht, aber ich bildete mir ein, ihn zu lieben. Ich klammerte mich völlig an ihn, wurde abhängig von ihm, wurde ihm untertan. Als er schließlich sagte, er würde „aufpassen", glaubte ich ihm auch das. Ich zweifelte keinen Augenblick an seine Worte und an seiner Liebe zu mir.

Natürlich blieben die Folgen nicht aus. Ich wurde schwanger. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich ging umher wie in Trance. Nahm nichts mehr wahr, was um mich herum passierte. Ich war vor lauter Angst, es meinen Eltern zu erzählen, wie gelähmt. Doch ich dachte daran, das Kind zu behalten. Ich hoffte, es mit Werners Hilfe zu schaffen. Als ich es ihm schließlich erzählte, lachte er nur. Kurz darauf machte er Schluss. Nun war ich allein mit meinem Problem, und der Entschluss festigte sich in mir, das Kind nicht in die Welt zu setzen. Ich fühlte mich nicht stark genug, das Kind zu bekommen. Wie konnte ich meinem Kind Schutz und Sicherheit geben, wenn ich selber so hilflos, selber noch schutzbedürftig war? Vielleicht aber waren das alles auch nur Ausflüchte, Rechtfertigungen für einen Mord.

Die Zeit drängte, und ich war bald gezwungen, es meinen Eltern zu sagen. Wie erwartet waren sie sehr enttäuscht von ihrer Tochter, und mein Vater kündigte mir seine Liebe auf. Es war nun wie ein Fluch, der auf mir lastete. Mein Schmerz über diesen und über Werners Liebesentzug ließ sich nur ertragen durch meine Apathie, dadurch, dass ich mir meiner Situation gar nicht richtig bewusst wurde. Ich war wie abgestorben. Meine Mutter organisierte dann alles weitere. Sie leitete den Mord in die Wege. Und ich ließ alles mit mir und meinem Kind geschehen. Als ich schließlich bei einer Ultraschall-Untersuchung den winzigen Köper meines Kindes sah, wurde mir mulmig zumute, doch ich dachte nicht weiter darüber nach, um zu vermeiden, dass ich wahnsinnig würde.

Dann war es soweit. Ich kam ins Krankenhaus. Mein Zimmer war noch leer, doch nach einiger Zeit wurde ein Mädchen hineingeschoben. Sie war noch ohne Bewusstsein, hing an Schläuchen und war am ganzen Körper mit Blut verschmiert. Mir wurde schlecht bei ihrem Anblick. Später, nachdem sie aufgewacht war, fragte ich sie nach ihrer Operation. Sie erwiderte, sie habe einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Sie erzählte dies mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die mich erschaudern ließ. Auch, dass sie nicht wusste, von wem das Kind war, schien für sie ganz normal. Für sie bedeutete das alles gar nichts.

Die Angst in mir wurde immer stärker. Ich fragte mich, ob mir Gott diesen Mord jemals verzeihen könnte. Dach mein Verstand sagte mir, dass mein ganzes Leben verbaut wäre, würde ich von meinem gefassten Entschluss abrücken. Aber ich bedachte nicht, dass ein Mord auch das eigenen Leben zerstören kann.

Jedenfalls war es dann soweit. Ich wurde in den Operationssaal geschoben, und ich wurde immer unsicherer, ob ich das Richtige tun würde. Schließlich wurde ich narkotisiert. Es war zu spät.

Obwohl ich bewusstlos war, fühlte ich, wie das Kind aus mir herausgekratzt wurde. Mir war, als hörte ich die Hilfeschreie meines Babys. Es schien, als würde es nach mir rufen. Plötzlich fing ich an zu schreien. Ich wollte verhindern, dass mein Kind starb. Ich wehrte mich, wie ich nur konnte, doch ich war ohnmächtig. Was nutzte meinem Baby mein Kampf um sein Leben, wenn meine Hilfeschreie ungehört blieben, wenn mein Körper nur im Traum um dessen Leben kämpfte. Ich war machtlos. Nur kurz fühlte ich noch den kleinen, warmen Körper meines Kindes in mir, bis die kalten Instrumente der Ärzte gesiegt hatten – über uns.

Jetzt liege ich hier, ganz alleine mit meinem schlechten Gewissen und meiner Trauer um mein Baby. Niemand kommt mich besuchen, niemand versucht die Last von mir zu nehmen. Verzweiflung breitet sich aus in mir und die Gewissheit, dass ich meinem Kind folgen werde.

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Anmerkung:

Der vorliegende Aufsatz wurde von einer Oberstufenschülerin im Alter von 18 oder 19 Jahren geschrieben. Die beschriebene Abtreibung war im 16. Lebensjahr.

Mit 20 Jahren begann sie ein Hochschulstudium. Das Studium musste sie nach weniger als einem Jahr abbrechen, weil sie heroinabhängig geworden war.

Die nach der Abtreibung aufgetretene Drogenabhängigkeit kann auf zweierlei Weise gedeutet werden: Zum einen kann bei der jungen Frau entwicklungsbedingt eine zur Abhängigkeit neigende Persönlichkeitsstruktur vorhanden gewesen sein (siehe die Beschreibung der Beziehung zu ihrem Freund), zum anderen könnte mit der Flucht in die Droge das Bedürfnis nach Betäubung des traumatischen Erlebnisses der Abtreibung gestillt worden sein. Wahrscheinlich sind beide Komponenten an der Entstehung der Heroinabhängigkeit beteiligt.

Dieser Fall zeigt, wie auch die meisten anderen Fälle von Abtreibung und Post-Abortion-Syndrom (Krankheit nach der Abtreibung), dass die Gesellschaft mit ihrer autonomen Moral sich selber und besonders den Frauen keinen guten Dienst mit der Liberalisierung der Abtreibung getan hat. Jedem Schwangerschaftskonflikt liegt ein weit tiefer gehender Konflikt zugrunde, der durch die Tötung des ungeborenen Kindes nicht nur nicht gelöst, sondern der verfestigt wird. Die Formel: „Kind weg – Probleme weg" entspricht nicht der Wirklichkeit, im Gegenteil, es kommen neue Probleme hinzu. Man schätzt, dass 80 % aller Abtreibungen auf Druck des Umfeldes (Eltern, Kindsvater, Bekannte) und infolge mangelnder Ermunterung zur Annahme des Kindes stattfinden. Die Frau spürt, dass sie ihr Kind verloren hat, weil sie im Stich gelassen wurde. Deswegen zerbrechen Ehen und Partnerschaften häufig nach einer Abtreibung. Ein latentes Misstrauen kann die betroffene Frau im weiteren Lebensverlauf unfähig zum Erhalt einer stabilen Bindung machen.

Aufgrund des traumatischen Abtreibungserlebnisses baut die Frau um sich herum eine Schweigemauer auf. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass manche betroffene Frauen mit psychischen Problemen nach der Abtreibung oft mehrere Jahre lang in psychotherapeutischer Behandlung sind (Häufigkeit der Sitzungen ein- bis zweimal pro Woche), ohne dass dieses bedeutungsvolle Lebensereignis thematisiert wird. Moderne Psychologen fragen oft gar nicht nach stattgefunden Abtreibungen, weil sie Anhänger der Liberalisierung der Abtreibung sind und weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Abtreibung hat ihrer Auffassung nach harmlos zu sein, Abtreibung hat nicht zu psychischem Problemen zu führen, also haben sie diese Krankheitsursache gar nicht in ihrem Repertoire. Damit erklärt sich aber die Erfolglosigkeit dieser modernen Psychotherapie, und es verwundert nicht, dass solchermaßen betroffene Frauen auch nach zwei- oder mehrjähriger Psychotherapie keine Fortschritte zur Gesundung machen.

Es wäre zu wünschen, dass Politiker und Krankenkassen sich dafür interessieren, aber dieser Wunsch wird kaum erfüllt werden; die Verantwortlichen und fortschrittlichen Medien haben ein Tabu über die „Errungenschaft" der liberalisierten Abtreibung gelegt.

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Stand: 14. Dezember 2012
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