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Praxis Manfred van Treek - Viernheim

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Schmerzhafte Regel

 

Dieser Beitrag ist seit dem 11.02.2005 auf dieser Webseite

 

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Schmerzhafte Regelblutung

– fragliche Endometriose

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 Folgende Anfrage erhielt die Redaktion Medizinkritik am 7.1.2005:

 

Sehr geehrter Herr van Treek.

Ich habe mit Interesse den Beitrag zu Schmerzen während der Menstruationsblutung gelesen. Allerdings sind bei mir noch einige Fragen, auf die ich, auch bei Fachleuten, noch keine Antwort gefunden habe.

Ich (24 Jahre) leide unter einer starken Dysmenorrhoe. Vor zwei Jahren habe ich für ca. 3 Monate die Pille genommen, dadurch wurden die Schmerzen besser, aber mir war ständig übel und so habe ich sie wieder abgesetzt. Dann versuchte ich es mit Progestogel in der zweiten Zyklushälfte. Aber wenig Besserung. Schmerzmittel schlagen bei mir irgendwie nicht an, ich werde nur müde, aber die Krämpfe werden nicht besser (ca. 2 Tage). Und dann habe ich Muskelkater vor Bauchschmerzen. Dann nahm ich ca. ein 3/4 Jahr lang Utrogest 100 mg in der zweiten Zyklushälfte. Meine Gynäkologin meinte, es ist wahrscheinlich eine Endometriose und ich solle die doppelte Menge nehmen. Auf OP habe ich keine Lust. Dazu nehme ich auch noch Mastodynon. Dadurch habe ich auch wieder einen Eisprung, den man fast ein Jahr lang an der Temperaturmessung nicht feststellen konnte. Nur die Schmerzen sind nicht wirklich in den Griff zu kriegen. Nehme ich Utrogest ca. vom 16. Zyklustag bis die Blutung einsetzt, dann ist es etwas besser, aber ich habe einen Zyklus von manchmal über 35 Tagen. Setze ich es ca. am 28. Tag ab, sind die Schmerzen stärker.

Laut Dr. Lee müsste man Utrogest über einen langen Zeitraum nehmen, bis die Endometriose ausgeheilt ist. Aber mir ist das trotzdem nicht ganz geheuer.

Haben Sie irgendeine Empfehlung oder Erfahrung für mich?

 

Mit freundlichen Grüßen

Frau F.

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Antwort der Redaktion Medizinkritik am 23.01.2005:

 

 

Sehr geehrte Frau F.

 

Vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage.

 

Haben Sie die Pille wirklich nur 3 Monate in Ihrem Leben genommen (vor 2 Jahren), oder gab es vorher weitere mehr oder weniger lange Einnahmephasen? Wie stark war denn die Dysmenorrhö vor dieser 3monatigen Pillenphase? Sie war ja auf jeden Fall vorher vorhanden, deswegen hatten Sie ja überhaupt mit der Pille angefangen.

 

Beim Utrogest würde sich mir noch die Frage stellen: Wie nehmen Sie das Utrogest? Meistens ist es viel besser, dieses naturidentische Progesteron intravaginal zu nehmen (die kleine weiße Kapsel löst sich gut in der Vagina auf). Durch die vaginale Applikation kommt viel mehr vom Wirkstoff an den Progesteronrezeptoren an, als wenn die Kapsel oral eingenommen wird. Dann wird nämlich 80 bis 85 % des Wirkstoffes bereits in der ersten Leberpassage inaktiviert.

 

Dr. Lee empfiehlt auf S. 331/332 seines Prämenopausenbuches folgendes Vorgehen bei Endometriose:

Vom 8. bis 26. Tag des Zyklus 68 (70) mg Progesteron pro Tag (bei einer 3prozentigen Creme sind das 2 1/3 Gramm, beim 1prozentigen Progestogel wären es 6,8 bis 7 Gramm. Einzureiben über die Haut. Der Beginn der Progesteronanwendung bei Endometriose ist bereits früh im Zyklus, kurz nach Ende der Menstruation und ca. 1 Woche vor dem Eisprung, wenn Östradiol noch in der ansteigenden Phase ist. Dabei soll Progesteron den Effekt des Östradiols reduzieren, welches das endometriale Wachstum stimuliert.

Das Progesteron kann über den 26. Tag hinaus auch bis zum 30. Tag angewandt werden, (oder individuell bis zu dem Tag, der möglichst nahe am Ende der üblichen Zykluszeit liegt, also bis eben vor der Menstruation).

Laut Dr. Lee kann es bis zu 6 Monaten dauern, bis die Symptome zu kontrollieren sind und auch dann können sie immer noch nicht vollständig weg sein. Wenn die Symptome dann tolerabler werden, kann die Dosis halbiert und der Beginn der Progesteronanwendung auf einen späteren Tag gelegt werden, z.B. den 12. Tag des Zyklus. Wenn die Endometriose wieder stärker wird, soll die Dosis wieder gesteigert werden.

Falls eine hohe Dosis Progesteron müde macht, ist dies ein Zeichen dafür, dass sie zu hoch ist. Sie soll dann etwas reduziert werden.

 

So könnte man es machen, Erfahrungen mit eigenen Patientinnen habe ich bisher noch nicht machen können.

 

Heide Fischer widmet der Endometriose in ihrem "Frauenheilbuch" aus dem Nymphenburger Verlag 25 Seiten. Dies Investition könnte lohnend für Sie sein, falls Sie dieses hervorragende Buch nicht schon besitzen.

 

Viel Erfolg. Berichten Sie mir doch bitte mal gelegentlich, wie es sich bei Ihnen weiter entwickelt hat.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

M. van Treek

Arzt für Allgemeinmedizin

und Naturheilkunde

 

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Antwort der Anfragerin am 24.01.2005:

 

Sehr geehrter Herr van Treek,

vielen Dank für Ihre ausführliche Beantwortung meiner Frage.


Die Pille habe ich wirklich nur 3 Monate genommen. Und das war lange genug. Bis ich endlich herausgefunden habe, dass meine Dauerübelkeit von diesem "Rattengift" kam. Mein Gynäkologe empfahl mir damals eine andere, aber ich verzichtete freiwillig darauf. Meine Schwester hat mir damals gesagt, dass sie schon x verschieden Sorten ausprobiert hat und auch immer das gleiche Problem (Übelkeit) hatte.
Die Dysmenorrhö war vor der Pilleneinnahme genauso stark wie jetzt. Bzw. durch die Utrogest-Einnahme ist es ein bisschen besser geworden.
Zur Zeit würde ich meine Beschwerden so beschreiben: zwei Tage vor Beginn der Blutung leichtes Unterbauchziehen und Rückenschmerzen (aber das kann man ganz gut aushalten) und dann die ersten zwei Tage der Blutung: Bauchkrämpfe und Schmerzen (manchmal auch Darmkrämpfe), so dass ich am dritten Tag Muskelkater vor Bauchschmerzen habe. Schmerzmittel wirken nicht besonders gut bei mir und zuviel mag ich auch nicht nehmen. Könnten Sie denn ein Medikament empfehlen, dass die Beschwerden lindert? Ich wechsle ab und zu die Schmerzmittel, was recht hilfreich erscheint (Voltaren, dann das nächste mal Ibuprofen und dann Novalgin) und jede Menge Magnesium. Allerdings macht das alles eher müde, als dass es die Schmerzen lindert.


Von dem was sie schreiben, heißt es für mich, dass ich Utrogest schon ab dem ca. 8. Zyklustag anwenden müsste (über die vaginale Anwendung weiß ich Bescheid). Das heißt es würde auch nicht mehr zu einem Eisprung kommen, oder? Ist das auf die Dauer gesund? Irgendwie habe ich mich noch nicht getraut, das so anzuwenden. Nicht das irgendwas schief geht, ich möchte nämlich schon irgendwann vielleicht auch mal schwanger werden. Die meisten Gynäkologen braucht man ja nicht nach der Art der Anwendung fragen ... die kennen sich meistens nicht aus und wissen als Behandlung meistens nur die Pille ...


Vielen Dank für Ihre Mühe!

 

Mit freundlichen Grüßen

Frau F.

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Zweite Antwort der Redaktion Medizinkritik am 25.01.2005:

 

 

Sehr geehrte Frau F.

 

Danke für Ihre Ausführungen.

 

Naturidentisches Progesteron (Utrogest, Progestogel oder eine rezeptierte z.B. 3%ige Salbe) kann nicht sicher den Eisprung verhindern, selbst wenn es hoch dosiert angewendet wird (täglich 100 mg aus dem Utrogest oder 70 mg wie im Prämenopausenbuch von Dr. Lee beschrieben sind hochdosiert).

Sie sollten diesen nebenwirkungsarmen Weg einfach mal konsequent weiter gehen. Um sich Klarheit über die Frage: Eisprung/kein Eisprung? zu verschaffen, könnten Sie Temperatur im Sinne der NER messen (Zyklusblätter bitte bei www.iner.org downloaden). Dann wissen Sie, ob auch noch "endogenes", also Ihr eigenes Progesteron wirksam wird, bzw. ob Sie trotz des "exogenen" Progesterons einen Eisprung haben.

 

Was könnten Sie praktisch-therapeutisch noch machen?

 

Da Sie von Darmkrämpfen berichten, fällt mir die "Luvos Heilerde ultra zum Einnehmen" ein. Dieses einfachste aller "ausleitenden Verfahren" reinigt den Darm und beruhigt ihn. Weil möglicherweise auch eine Übersäuerung mitspielt, könnten Sie zunächst mal einen gestrichenen Teelöffel Basenpulver nach Dr. Kern in einem halben Glas Wasser auflösen (siehe www.melhorn.de bzw. Bezugsadresse: Apotheke am Markt, 73479 Ellwangen/Jagst, Tel 07961/2582 (1 kg für 20 Euro) oder zunächst einfach mal nur 50 Gramm Natriumhydrogencarbonat kaufen). Anschließend einen gehäuften und etwas größeren Löffel von der Heilerde dazugeben. Rasch trinken, schmeckt widerlich salzig; dann wohlschmeckenden Tee oder Fruchtsaft hinterher trinken.

 

Gegebenenfalls die Blutung gleich am ersten Tag mit einem Aderlaß von 60 bis 80 ml unterstützen. Vor dem Aderlaß nüchtern sein; nach dem Aderlaß reichlich Kräutertee trinken. In den Tagen nach dem Aderlaß nichts Übersäuerndes essen, also kein Süßkram, kein Fleisch, keine Wurst usw.; Obst und Gemüse reichlich.

 

Im Frauenheilbuch von Heide Fischer (Frauenärztin aus Freiburg) aus dem Nymphenburger Verlag finden Sie mehrere Teerezepte, die helfen könnten.

Auf S. 47: Teemischung für schmerzhafte Blutung: Schafgarbe, Frauenmantel und Gänsefingerkraut zu gleichen Teilen in der Apotheke mischen lassen, z.B. je 30 Gramm. Ab dem 5ten Tag vor der erwarteten Blutung 3x täglich eine Tasse trinken; bei Einsetzen der Blutung evtl. steigern auf 5 Tassen täglich.

Frau Dr. Fischer empfiehlt außerdem noch die "Heiße 7", Magnesium phosphoricum D6 (Nr. 7 der Schüssler-Mineralsalze). 10 Tbl in einem Glas mit heißem Wasser auflösen, dann heiß und löffelweise einnehmen, jede Portion eine Weile im Mund behalten wegen der Resorption über die Mundschleimhaut.

 

Auf S. 56: Rezept für mehr weiblichen Rhytmus: Roter Wiesenklee, 3mal täglich 1 Tasse, 3 Zyklen lang. Ab dem 10. Tag des Zyklus, bei längeren Zyklen ab dem 14. Tag nach Beginn der Blutung zusätzlich 3x 15-20 Tropfen Frauenmanteltinktur in den Tee geben.

 

Das Mastodynon von BIONORICA, das Sie bereits nehmen, finde ich übrigens sehr gut. Es enthält Agnus castus (Mönchspfeffer) in phytotherapeutischer Dosierung sowie eine Mischung von typischen "Frauen-Homöopathika".

 

Wenn das alles nicht ausreichend hilft, dann würde ich noch eine Methode mal ansprechen wollen, die von Ihnen einen gewissen Heroismus verlangen würde. Vielleicht aber auch nicht, je nachdem, wie Sie darüber denken. Es könnten Blutegel versucht werden. Dr. Aschner, der "Wiederentdecker" der antiken ausleitenden Verfahren, empfiehlt Blutegel bei Störungen der Menstruationsblutung an die großen Labien anzusetzen. Sie könnten mal von meiner Webseite www.medizinkritik.de die kleine Schrift "Die Blutegelbehandlung" downloaden und in Ruhe durchlesen. Blutegel sind entzündungshemmend, schmerzlindernd und "resolvierend" wirksam, also "auflösend", blutverflüssigend. Es ist durchaus denkbar, dass es mit den Menstruationsbeschwerden einer Frau besser wird, wenn sie diese "heroische" Möglichkeit einige Menstruationen lang angewendet hat. Sie brauchen es ja nicht gleich im nächsten Zyklus zu machen; sie können ja erst mal das andere versuchen. Bei meinen Patientinnen habe ich Blutegel erst ein einziges Mal in diesem intimen Bereich angewendet, und zwar bei einer Patientin mit einem taubeneigroßen, sehr schmerzhaften Abszess (Haarfollikelabszess) im Bereich einer Schamlippe. Die Patientin war noch am gleichen Tag beschwerdefrei, die massive Schwellung war am Folgetag auf 1/3 zurückgegangen und nach drei Tagen hatte sich die Entzündung aufgelöst. So kann es gehen, ganz ohne Antibiotikum!

 

Nun wünsche ich Ihnen, dass irgendetwas von den empfohlenen Möglichkeiten bei Ihnen anschlägt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

M. van Treek

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Stand: 14. Dezember 2012
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